Landesjugendorchester Bremen

Osterholzer Kreisblatt 30.04.2011

Stehende Ovationen für die "Bad boys"
Landesjugendorchester Bremen konzertierte in seinem 40. Jahr in der bisher größten Besetzung in Hambergen

Von Peter von Döllen
Hambergen. Etwas Besonderes sollte es zum 40. Jubiläum sein, etwas Außergewöhnliches. Das ist dem Landesjugendorchester Bremen gelungen. Die Premiere von "Bad boys in Rhythm" war ein riesiger Erfolg. Die über 350 Zuschauer in der Uwe Brauns-Halle in Hambergen waren begeistert. Minutenlanger Beifall, stehende Ovationen und Getrappel erfüllten die Mehrzweckhalle. Das Publikum hatte ein Konzert gehört, das es so schnell nicht wieder geben wird.
Der Titel allein zeigte schon an: Das Landesjugendorchester begnügt sich nicht mit einem gewöhnlichen klassischen Konzert. Und ein erster Blick auf die Instrumente gab einen weiteren Fingerzeig. Schlaginstrumente spielen eine große Rolle. Auf neun mal vier Metern hatte Solist und Schlagzeuger Stefan Rapp Kuhglocken, Vibrafon, Marimbafone, kleine Becken, Trommeln und viele weitere Instrumente aufgeboten. Sein Stück "Concerto for Percussion and Orchester" wurde vom lebenden Komponisten Joseph Schwantner geschrieben. Also eine eher modernere Komposition.
Es gehört schon ein wenig Mut dazu, sich mit einem Landesjugendorchester an so anspruchsvolle Stücke zu wagen. Geiger Benedict Broy pflichtet bei. Auch die anderen Darbietungen des Konzertes sind anspruchsvoll, betont er. Seit acht Jahren spielt er im Orchester und kennt den Anspruch von Dirigent Stefan Geiger. "Es ist auch ein Reiz, nicht nur das Standardrepertoire zu spielen." Geiger versucht es immer wieder, und der Erfolg gibt ihm Recht. Geiger gilt als hervorragender Motivator, der die Jugendlichen zu Höchstleistungen anspornt. Eingeleitet wurde das Konzert mit der "Tom Sawyer Ouvertüre" von George Antheil. Nach der Pause beendete "Le Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky das Jubiläumskonzert.

Hambergen ist ein Muss
Seit 2002 tritt das Orchester zum Abschluss seiner Projektwochen auf Gut Bredbeck in Hambergen auf. Die Halle dort hat eine gute Akustik und bietet so gute Voraussetzungen für Konzerte, versichert Dirigent Stefan Geiger. Die Atmosphäre ist allerdings nicht mit der in einem Konzerthaus zu vergleichen. Sie ist lockerer. Für Broy, der auch Vorsitzender des Landesjugendorchestervereins ist, hat das eine Symbolik. Es sei nach der anstrengenden Woche wie eine Heimkehr. Die Halle biete viel Platz. Das sei nicht oft so. Und das Publikum zeige sich immer sehr dankbar. "Wir kommen immer gerne wieder", versichert Broy. Einmal im Jahr nach Hambergen, das müsse sein. Die Hamberger - allen voran Samtgemeindebürgermeister Bernd Lütjen - sind ein wenig stolz darauf, immer als Erste die Ergebnisse des Osterprojekts hören zu dürfen. Dieses Jahr ist auch für sie ein Jubiläum. Es war der 10. Auftritt hier. Mit 105 Musikern war es auch das bisher größte Orchester. "Deshalb haben wir
erstmals die ganze Halle genommen", so Lütjen. Für den TV Hambergen bedeutet das Sonderschichten. Er möchte am heutigen Sonnabend hier in den Mai tanzen. Für die Vorbereitung der Halle haben die Sportler nun einen Tag weniger Zeit. Doch das nahmen die Mitglieder für das Traditionskonzert gerne in Kauf.

Für den Schlagzeuger Stefan Rapp war der Auftritt in Hambergen eine Premiere. Auch er war von der Atmosphäre angetan. Sein sehr intensives Spiel kam gut an. Das Stück war gut gewählt. "Ich kenne Stefan Geiger sehr gut. Er hat mich gefragt, ob ich bei dem Projekt mitmachen wolle", erzählte Rapp. Also schaute er sich nach geeigneten Kompositionen um. Geiger habe auf etwas Modernerem bestanden. Trotzdem erwartete das Publikum ein noch melodisches Vergnügen. Rapp hatte gut zu tun. Er hastete immer zwischen den zahlreichen Schlaginstrumenten hin und her. Schließlich gipfelte es in einem furiosen Finale. Rund fünf Kilogramm dürfte er abgenommen haben, schätzte er am Ende. Der Puls sei sehr hoch. "Es ist meine intensive Art des Spielens. Das habe ich aber schnell wieder drauf", beruhigte Rapp. Solche Auftritte seien begrenzt. Drei Auftritte mit dem Landesjugendorchester hat der Solist allerdings noch vor sich.
Der Erlös des Konzertes geht diesmal an das Orchester selber, das sich hauptsächlich von Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert. Die Sammlung am Ausgang soll einer Knochenmarkstypisierungsaktion zugute kommen.