Brillanz bis in die hintersten Reihen
Jubelrufe bei Geburtstagskonzert des Landesjugendorchesters Bremen in der Varreler Gutsscheune
Von Anke Bayer-Thiemig
Stuhr-Varrel. Wenn sich mehr als 100 junge Musiker aus Bremen und Umgebung zu kammermusikalischem Tun zusammenfinden, dann kann der Zuhörer aus triftigen Gründen niveauvolles Musizieren erwarten. Wer allerdings mehr darüber erfahren will, wie ein Orchester in der Tiefe qualitativ aufgestellt ist, sollte zugegen sein, wenn sich - wie am Freitagabend in der Varreler Gutsscheune - das Landesjugendorchester Bremen präsentiert.
Unter dem Titel "Bad Boys of Rhythm" widmeten sich die Musiker unter der Leitung von Stefan Geiger in der Varreler Gutscheune einem Programm, das durch Rhythmus und Percussion geprägt war. Die Musik fühlend zeigte sich dabei Stefan Geiger, selbst Soloposaunist im NDR Sinfonieorchester und zudem noch mit einer Professur an der Hamburger Musikhochschule tätig, den rund 100 Zuhörern.
Der Konzertabend begann mit der Tom- Sawyer-Ouvertüre ("Californische Ouvertüre") von George Antheil (1900-1959). Dirigent und Musiker interpretierten das Werk mit großer Empfindung, setzten einige kleine feine Tischfeuerwerke. Die Lebendigkeit, mit der sich das Ensemble in die Ouvertüre stürzte, begeisterte die Zuhörer.
Seit seiner Gründung vor 40 Jahren vereint das Landesjugendorchester hochtalentierte junge Musiker. Zum Geburtstag hatte der Dirigent als weiteren Programmhöhepunkt das Percussion Concerto des amerikanischen Komponisten Joseph Schwantner (geboren 1943) ausgewählt. Eine Komposition, die sich durch eine Lebendigkeit auszeichnete, mit der sich der Zuhörer schon nach wenigen Takten identifizieren konnte, so unverwechselbar war die musikalische Sprache.
Einen großen Anteil an der fesselnden Darbietung hatte der Percussionist Stefan Rapp von der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Mit frappierender Virtuosität bediente er verschiedene Instrumente wie Kuhglocken, Vibrafon, Marimbafone, kleine Becken oder Trommeln. Er hastete immer zwischen den zahlreichen Schlaginstrumenten hin und her.
Beeindruckend war das furiose Finale. "Da steh' ich unter Strom", gab Rapp preis, der immer einige Pfunde während eines Auftritts abnimmt. Stefan Geiger koordinierte das rasante Wechselspiel zwischen Solist und Orchester exakt und impulsiv. Mit Akribie und unheimlicher Detailgenauigkeit hatte er das Orchester vorbereitet.
Zum krönenden Abschluss hatten die Musiker zwischen 14 und 24 Jahren den Klassiker "Le Sacre du Printemps" von Igor Strawinsky (1882-1971) ins Repertoire aufgenommen. Faszinierend der Ausdrucksreichtum, faszinierend aber auch die absolute Sicherheit und Souveränität der jungen Künstler unter der Federführung ihres Dirigenten.
Ihm und seinen jungen Musikern eilt schon seit vielen Jahren der Ruf voraus, auf technischer und qualitativer Ebene großen Orchestern in nichts nachzustehen. Aber der Auftritt regte auch zum Nachdenken an: Da stellte sich schon die Frage, wie exzellent Musiker mittlerweile sein müssen, um in einem Landesjugendorchester mitwirken zu dürfen.
Nach eineinhalb Stunden Konzertgenuss und einer angenehmen Pause für Gespräche mit den Musikern war das Publikum in der Gutsscheune absolut begeistert und bedankte sich für den wahren Hörgenuss mit Jubelrufen und Applaus. Für den Solisten gab es eine Umarmung vom Dirigenten, für beide Künstler Blumen von der Gemeinde Stuhr. "Ein besonderes Erlebnis." - "Eine neue Erfahrung." - "Eine gute Akustik", lauteten einige Stimmen aus dem Publikum.